„Es gibt keine schlechten Erfahrungen“, sagt Karl Weinmann und meint es spürbar ernst. Denn jede gemachte Erfahrung - ob individuell positiv oder negativ erlebt - war und ist notwendig für den jeweiligen Entwicklungsprozess des einzelnen wie auch einer Gruppe. Diese Haltung bezieht er auf Menschen ebenso wie auf das Unternehmen, das seinen Namen trägt und dessen Begründer er ist.
Damals, im Jahr 1985, hatte Karl Weinmann schon etliche Jahre als angestellter Entwicklungs-Ingenieur gearbeitet und, nach der Trennung von seinem Arbeitgeber, drei Jahre der Selbständigkeit mit einem Konstruktionsbüro hinter sich. Während dieser Zeit blieb er immer mit seinen Studienkollegen Hansbert Ott und Alfred Schlegel im Kontakt. Keiner der drei Maschinenbauer verlor über all die Jahre die Vision aus Studentenzeiten aus den Augen, eines Tages ein gemeinsames Büro zu eröffnen.
Diese Vision wurde 1985 Realität, wenngleich der dritte, nämlich Hansbert Ott, erst etliche Jahre später „an Bord“ kam. Der Entwicklungsprozess der WEINMANN Holzbausystemtechnik GmbH startete also - von einem Zwei-Mann-Büro zu Gründungstagen wuchs das Unternehmen auf ein erfolgreiches zehnköpfiges Team im Jahr 1989. Während dieser Jahre entwickelte die junge Firma Maschinen zur Herstellung von Holzpaletten - und krönte diese Innovationen mit einem eigenen Patent.
1989 trat eine neue Verpackungsordnung in Kraft, die unmittelbare Auswirkungen auf Auftragslage und Umsatz der schwäbischen Ingenieure hatte - eine inhaltliche Umorientierung war notwendig. Der Weg, der Entwicklung und Perspektiven aufzeigte, wies Richtung Handhabungstechnik für Holzbau-Betriebe - und zwar von der kleinen Zimmerei bis zum Fertighaus-Unternehmen.
Dank dieser Umstellung hatte die WEINMANN GmbH innerhalb weniger Jahre erneut eine Innovation platziert, nämlich eine Maschine für das automatische Nageln im Holzbau. Sie war damit der erste Anbieter auf dem Markt und hatte die Rolle des Pioniers innerhalb der Branche besetzt. Bis zum Jahr 1996 entwickelte sie sich zum unangefochtenen Marktführer in ihrem Angebotssegment.
1998 wurde die Homag-Gruppe auf das Unternehmen aufmerksam. Dieser den Weltmarkt beherrschende Firmenverbund mit Schwerpunkt Holzbearbeitung in der Möbelindustrie suchte für sein Angebotsspektrum noch einen potenten Partner für die Fertighaus-Branche. Als dieser wurde die WEINMANN GmbH geortet und in die Homag-Gruppe mit aufgenommen, was für die Ingenieure große Vorteile mit sich brachte.
Dank des Wechsels konnte die WEINMANN Holzbausystemtechnik GmbH den Schritt vom mittelständischen Handwerksbetrieb hin zum Industrieunternehmen mit internationaler Ausrichtung vollziehen. Sie wurde Nutznießer eines bestehenden, weltweiten Vertriebssystems, hatte mehr Möglichkeiten, ihre Innovationen zu testen und dem Markt anzupassen und konnte Organisationsstrukturen benutzen, die ein weiteres Wachstum erleichterten.
Während der vergangenen Jahre brach - aufgrund von ökonomischem Wandel und, damit verbunden, einer nachhaltigen Baukrise - der Inlandsmarkt auch für die Firma WEINMANN Holzbausystemtechnik GmbH deutlich ein. Auch hierbei erwies sich der Zusammenschluss mit der international operierenden Homag-Gruppe als sinnvoll. Heute erwirtschaftet das Unternehmen über 80% seines Umsatzes im Ausland, nur noch knapp 20% im Inland. Noch 1998 war das Verhältnis exakt umgekehrt.
Der Exportanteil wächst weiterhin - neben dem europäischen Markt und einem erstarkenden Russland steigert sich auch der Absatz in den USA. Sowohl die osteuropäischen Länder als auch Nordamerika haben eine jahrhundertealte Tradition im Holzhausbau, die dem Unternehmen zugute kommt.
Um auch das Inlandsgeschäft wieder anzukurbeln, fokussiert die Gesellschaft die „neue alte“ Zielgruppe der Zimmerer. Denn diese Kleinst- und Kleinbetriebe erwarten trotz Baukrise Zuwächse im Holzbau - und brauchen einen zu Beginn überschaubaren und bei Wachstum unproblematisch ausbaubaren Maschinenpark. Mit Standardangeboten in unterschiedlichen Größenordnungen ebenso wie mit Sonderanfertigungen erfüllt das Unternehmen nahezu jeden individuellen Wunsch für Handwerk und Industrie.
Heute gibt die WEINMANN Holzbausystemtechnik GmbH ca. 180 Mitarbeitern einen festen Arbeitsplatz und erwirtschaftet im Jahr 2008 einen Umsatz von € 40 Mio.
Parallel zum operativen Geschäft nimmt das Unternehmen an diversen, hochkarätigen Forschungsprojekten teil, die den Holzbau in ökonomischer und ökologischer Hinsicht vorantreiben werden. Namhafte Forschungspartner wie die Fraunhofer Gesellschaft, die Technische Universität München, die Universitäten Stuttgart und Braunschweig und die Fachhochschule Rosenheim, um nur einige Beispiele zu nennen, belegen die hochkarätige Arbeit der WEINMANN Holzbausystemtechnik GmbH.
Auf die Frage nach Zielen und Visionen in und für die Zukunft steht als Antwort die weltweite Marktführerschaft, die das Unternehmen vor einer Fusion zweier schwedischer Mitbewerber in Europa bereits erreicht hatte. Der Wille zum Gestalten ebenso wie der ausgeprägte Wunsch nach Weiterentwicklung scheinen Bürge zu sein für dieses Vorhaben. Aber auch Standorttreue sowie Sicherung und Ausbau von Arbeitsplätzen und Lehrstellen sind Ziele, die - weil längst gelebt und weiterhin geplant - als selbstverständlich betrachtet werden.
Das Unternehmen mit Sitz in St. Johann-Lonsingen auf der schwäbischen Alb wird bis heute geleitet von den zwei Geschäftsführern Karl Weinmann (Forschung und Entwicklung, Produktion, Materialwirtschaft und Finanzen) und Hansbert Ott (Vertrieb, Marketing, Service und Personal). Dieses innovative und kreative Duo blickt - allen wirtschaftlichen Unkenrufen zum Trotz - zuversichtlich in die Zukunft und geht auch für das Jahr 2010 von gesteigertem Wachstum und Ertrag aus.
Da jedoch ein Unternehmen aus mehr als nur kalendarischen Daten, Zahlen und Fakten besteht, muss abschließend nochmals auf das zu Beginn erwähnte Gespräch mit Karl Weinmann eingegangen werden. Dessen Lebensaufgabe sei, so betont er, sich den Erfahrungen zu stellen, die es zu machen gilt. Jede dieser Erfahrungen muss in Aktion und ein sicht- und spürbares Ergebnis münden und steht somit für einen kreativen Entwicklungsprozess. Diesem Prozess unterwirft er sich selbst ebenso wie sein Unternehmen, in dem der Mensch immer im Mittelpunkt steht.